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Buchempfehlungen der Redaktion Globalscout


Vera F. Birkenbihl - ABC-Kreativ. Vera F. Birkenbihl
ABC-Kreativ

KEN. Was die Birkenbihl an Lernstrategien hinterlässt, hat sich bereits so viele Tausend Male bewährt, dass man einfach »Danke, Vera F.!« sagen muss. Ariston hat das »ABC-Kreativ« als Sonderausgabe herausgebracht. Fast wie ein Geschenk der kleinen großen Trainerin mit einer Zusammenfassung ihrer wichtigsten Gedanken zur kreativen Problemlösung.

 
 

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Vera F. Birkenbihl starb im Dezember 2011. Die 5. Auflage ihres ABC-Kreativ erlebte sie also nicht mehr. In ihren Lernstrategien, mit denen auch sie die Welt zu sich geholt hat (s. Nachruf unten) bleibt sie uns jedoch erhalten. In »ABC-Kreativ« geht es zum Beispiel um ABC-Listen, die Kreativität anregen und gleichzeitig Assoziationsketten und Gedächtnishilfen aktivieren.

Techniken zur kreativen Problemlösung

Birkenbihls Alternativen zum Mind-Mapping nach Tony Buzan heißen KaWa® und KaGa® und sind Assoziationsbilder mit Wörtern oder grafischen Elementen. Ich finde, dass »ABC-Kreativ« eines der übersichtlicheren Vera F. Birkenbihl-Bücher ist. Mit Beispielen aus ihrem Alltag als Coach und Trainerin zeigt sie die Anwendung ihrer Kreativitätstechniken bei der konkreten Problemlösung. Im Anhang schenkt sie uns ABC-Listen als Vorlagen für den schnellen Einstieg in ihre Methoden.

Auf 35 Seiten bildet sie eine umfangreiche ABC-Liste zu »ABC-Kreativ« ab - fast so etwas wie die Zusammenfassung ihrer persönlichen Strategien, mit denen sie sich trotz ihrer autistischen Erkrankung als eine der erfolgreichsten Trainerin Deutschlands behauptete.

Das Buch ist ein Impuls für Lehrer, Lernende und jeden, der kreativ Probleme lösen möchte.


Wie alles mit allem verbunden ist - Nachruf auf Vera F. Birkenbihl

Vera F. Birkenbihl (1946-2011) war eine der weltbesten Trainerinnen - trotz des Asperger-Syndroms, das sie zeitlebens begleitete. - Nachruf von Peter Kensok

F. steht für Felicitas. Das hat mit Glück, Fruchtbarkeit, Seligkeit zu tun. Vera Felicitas: das wahre Glück. Das wahre Glück der Birkenbihl schränkte ein, dass die Öffentlichkeit für sie gesundheitsbedingt eine ziemliche Herausforderung war. Das Asperger-Syndrom, eine Form des Autismus, beschreibt die schwer überwindbare Mauer zwischen einem Betroffenen und dem Rest der Welt. Wie lässt sich erklären, dass ein Mensch, der mit dieser Mauer lebt, Trainerin wird und anderen zeigt, wie sie lernend Mauern überwinden können.

Viele Trainer sind mit ihrer jeweiligen »Spezialität« gut, weil sie sich lebenslang vor ihrem Hauptproblem drücken - oder es auf geniale Weise gelöst haben. Vera F. Birkenbihl gehörte zu den besten Trainerinnen überhaupt. Während ich für diesen Text ihre Werke wieder einmal auf mich wirken lasse, verstärkt sich dieser Eindruck: Die Lösungen, die sie der Welt schenkte, haben auch etwas mit ihren Begrenzungen zu tun.

Ihre Lösungen sprengen Grenzen

Die Birkenbihl wurde 1946 in München geboren. Sie studierte Psychologie und Journalismus in den USA und entwickelte dabei schon als 23-Jährige Lerntechniken auf Basis der Hirnforschung. 1970 hielt sie darüber erste Vorträge. Trotzdem, sagte sie selbst über sich, habe sie keine wirkliche Präsenz auf der Bühne. Petra Schächtele, Expertin für die elegante Schlagfertigkeit in Stuttgart, begleitete Vera F. Birkenbihl  bei einem Vorgespräch für ein Interview des Krankenhausfernsehens Klinik-Info-Kanal: »Wenn Vera nach einer Übungsphase ihr Publikum wieder auf die Bühne ausrichtete, so meinte sie, reiche ihr einfaches Dasein nicht. Sie müsse regelrecht Rabatz machen, denn wenn sie nicht redete, hätte ihr Publikum sie sofort wieder vergessen.«

So nimmt ein Mensch mit Asperger sich selbst wahr. Und man staunt darüber bei einer hochgelobten Trainerin, die in 35 Jahren knapp 450.000 Menschen durch Seminare und Vorträge führte. Gute Lernstrategien ermöglichen jedoch den Kontakt zu der Welt »da draußen« und beschreiben das, wofür die Birkenbihl in Erinnerung bleiben wird. Kontakt bedeutet Mut zur Auseinandersetzung mit dem Neuen, damit das noch Fremde etwas Bleibendes und eben Gelerntes wird und ins eigene, komfortable Wohnzimmer einziehen darf.

Sprachen lernen wie wie Kinder, die wir alle einmal waren

Günter Pucher, Prozessberater in Unternehmen und Organisationen aus dem schwäbischen Benningen,  erinnert sich auch nach 20 Jahren noch an Bilder, mit denen Vera F. Birkenbihl ihm Lernstoff gehirngerecht vermittelte. Ihre Sprachenlernmethode, die sie seit den frühen 80ern entwickelte, findet er nach wie vor unübertroffen. »Vera F. Birkenbihl war als  charismatisches und authentisches Lerngenie ihrer Zeit weit voraus.«

Bevor wir »Papa« auch nur aussprechen konnten, haben wir viele Male erlebt, dass es an der Tür schellt und der Vater jemandem mit Handschlag begrüßt. Ist es zufällig der private Französischlehrer, dann sagt er: »Guten Tag, Herr Professor. Bitte treten Sie ein!« Diesen Film würden wir auch mit einem Untertitel verstehen, der eher der französischen Grammatik entspricht und uns zunächst ein bisschen seltsam vorkommt: »Guten Tag, Herr der Professor. Eintreten Sie, wenn es Ihnen gefällt!« Und im dritten Schritt erleben wir die gleiche Sequenz mit den Worten: »Bonjour, Monsieur le professeur. Entrez, s'il vous plaît.«

Dieses Prinzip hat Vera F. Birkenbihl für viele Sprachen umgesetzt, die sich dadurch ohne klassisches Grammatik- und Vokabelbüffeln nahezu kinderleicht lernen lassen.

Zum Sprachenlernen kommen Errungenschaften wie KaWaS ® als Alternative zum Mindmapping nach Tony Buzan hinzu, unzählige Publikationen und immer wieder die harsche Kritik an Unterrichtsstilen in Schulen und Universitäten: »Wären Schulbücher für Schüler statt für Lehrer gemacht, hätten wir andere Schulbücher!« - Vermutlich auch mehr Lehrer wie Birkenbihl. Wenn sie in dieser Welt stritt, dann tat sie das entschlossen, manchmal verletzend, immer wieder verblüffend und mit dem unvergleichlichen Charme des zarten Kerns hinter der irgendwie undurchdringlichen Schale.

Ein »schräger Vogel« wurde sie manchmal nach dem ersten Eindruck genannt. Auch wenn sie sich zumindest spirituell mit allem verbunden wusste, lebte sie unterwegs in Wohnmobilen, weil sie Hotels nicht wirklich ertrug.  Ihr Zuhause war eine Art Cockpit, in dem sich unzählige Bücher und Skripte kreuz und quer häuften. Und sie mittendrin. Wie ein Nervenknoten im Gehirn, der zuverlässig Kontakte zu zigtausend anderen Nervenzellen pflegt, ohne jemals seinen angestammten Platz zu verlassen. Irgendwie konnte sie da nicht weg. Und vielleicht macht genau das Sinn.

»So entstanden Konzepte, die das Lernen nachhaltig veränderten, nach dem Motto: Wenn der 10-Jährige von nebenan etwas versteht, verstehen es alle«, sagt Marion Lercher aus Zeltweg in Österreich. Als Sprach-Trainerin nach Birkenbihl steuerte sie Übungen zur 2010 überarbeiteten Ausgabe des Klassikers »Sprachenlernen leichtgemacht!« bei. »Am liebsten mochte Vera Fragen aus dem Publikum. Sie präsentierte ihre Antworten plausibel, nachvollziehbar - und einfach merk-würdig. Für mich steht sie für lustvolles, lebenslanges Lernen.«

Ein genialer und irgendwie »schräger Vogel«

Um die Verbundenheit von allem mit allem zu erklären, bohrte sie zum Beispiel die Finger einer Hand durch eine Serviette. Schaut man von der Seite der Finger, scheinen sie jeder für sich zu existieren, schaut man von der Seite der Handfläche, dann erkennt auch ein Kind die Verbindung.

Neben solchen Metaphern formulierte Vera F. Birkenbihl auch pragmatische Ansätze zur Ökologie des Verhandelns: A verfolgt ein Ziel. Stimmt B zu, dann ist A im Plus und hat Glück gehabt. Sagt B sagt (vorläufig) Nein, ist das eine  Fragezeichen-Situation. A hat Erfolg, wenn er sie positiv wendet; er versagt, wenn dies misslingt. Sagt B jedoch Nein, ist das eine Minus-Situation. Erkennt A dies rechtzeitig, hat er trotzdem Erfolg; erkennt er es zu spät, hat er erst recht versagt.

Während ihre Fangemeinde mit den Jahren wuchs und sich stabilisierte, wurde das tatsächliche Publikum, dem sie sich öffentlich stellte, mit der Zeit kleiner. Vera F. definierte sich ab 60 wieder neu und blieb dabei doch die Birkenbihl: originell, mit sichtlicher Freude an Erkenntnissen, die sie seit »Stroh im Kopf« in die Welt entließ. Mit diesem »Mercedes unter ihren Büchern« (O-Ton Petra Schächtele), der seit den 1980ern um die 50 Auflagen überdauerte, löste sie sich früh von dem mächtigen Schatten ihres Vaters (Unternehmensberater Michael Birkenbihl, 1921-1993, Standardwerk »Train the Trainer«) und mauserte sich zum unabhängigen Maßstab für qualitätvolles Lernen. Vielleicht liegt es an ihrer Gesundheit, dass sie sich mit der Zeit auf etwa 60 Seminartage pro Jahr begnügte. Denn trotz Asperger beherrschte sie die große Trainerbühne, authentisch und meisterhaft statt oberflächlich und lediglich dem äußeren Eindruck verpflichtet.

Vera F. Birkenbihl war ihr Leben lang nahezu atemlos lernend unterwegs, zuletzt von ihrem Wohnort Osterholz-Scharmbeck bei Bremen aus. Am 3. Dezember 2011 starb sie an einer Lungenembolie.



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