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Jörg und Miriam Kachelmann - Recht und Gerechtigkeit. Jörg und Miriam Kachelmann
Recht und Gerechtigkeit

KEN. Bei Jörg Kachelmann (* 1958) und seiner Frau Miriam (* 1986) würde es sich lohnen, nach der Veröffentlichung von »Recht und Gerechtigkeit« im Oktober 2012 den ersten Sturm der medialen Entrüstung abflauen zu lassen. So dachte ich jedenfalls, denn zeitliche Distanz zum ersten Eindruck relativiert vieles, aber vieles ist in dem (!) Justizskandal von 2010/2011 eben auch nicht alles.

 
 

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Jörg Kachelmann wurde am 20. März 2010 nach dem Besuch seiner Exfrau und seiner Kinder in Kanada am Frankfurter Flughafen verhaftet. Eine Frau bezichtigte ihn nach einer eher kurzen Affäre, sie vergewaltigt zu haben. Deutschland hatte damit schneller einen medienwirksamen Sexskandal als Frankreich mit dem IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn im Mai 2011 oder England mit dem verstorbenen Moderator Jimmy Savile 2012.

Ein Justizfall wurde zum Medienfall

Jörg Kachelmann hatte erwartet, dass die deutsche Justiz mit solchen Anschuldigungen anders umgehen würde. Erst recht Journalisten, für die jedoch vor allem schlechte Nachrichten gute Nachrichten sind. Dementsprechend wurden im gesamten Verfahren schneller Meinungen gemacht und Kommentare geschrieben als Fakten gegeneinander abgewogen.

Sicher kann auch Jörg Kachelmann nicht von den Medien insgesamt sprechen. Trotzdem saß er bis zum Freispruch am 31. Mai 2011 insgesamt 132 Tage lang in Untersuchungshaft und musste sich danach erst recht gegen die öf­fentliche Vorverurteilung wehren. Leider gab es zu viele »investigative Journalisten«, denen fast alles recht war.

Jörg Kachelmann kennt als Medienfachmann seine Pappenheimer, die sich auf ihn stürzten wie Piranhas auf einen Kränkelnden im eigenen Schwarm. Er wehrte sich ordentlich, anders als beispielsweise die Opfer des Geiseldramas von Gladbeck 1988. Auf die Bilder von Silke Bischoff mit der Knarre des Bankräubers am Hals hätte ich damals wie heute gerne verzichtet. Genauso wie Jörg Kachelmann wohl darauf, in ein Lügennetz verwickelt zu werden, das mit »Promi-Malus« statt »Promi-Bonus« als erstes die Unschuldsvermutung vom Tisch fegte. Als nächstes bliesen sich im Scheinwerferlicht des bis dahin beliebten Wettermoderators alle möglichen Nebendarsteller zu ihren 15 Minuten Berühmtheit auf.

Was von »Recht und Gerechtigkeit« richtig, falsch oder aus der Betroffenheit heraus übertrieben geschrieben ist, will und kann ich nicht beurteilen. Unfair wirkt im »Fall Kachelmann« schon zu vieles, und der Freispruch Ende Mai 2011 hätte das Thema endgültig abschließen können. Aber einfach abhaken geht für einen Medienprofi wohl kaum. Vielleicht blüht ja neues Leben aus den Ruinen, und keiner weiß besser als Jörg Kachelmann, dass nach dem Regen irgendwann auch die Sonne wieder scheint.  

Sicher ist, dass nur wenige Untersuchungsverfahren mit den Möglichkeiten Jörg Kachelmanns enden und auch die medienwirksame Inszenierung kaum einem Beschuldigten zur Verfügung steht. Das wäre selbst auf dem Boulevard schon bald langweilig. Aber Jörg Kachelmann hat so viel Wetter gemacht, dass er auch bei vermuteten Sexualdelikten die ganz große Öffentlichkeit provoziert. Ansonsten schreibt er:

»Jede Vergewaltigung sollte zur Anzeige gebracht werden. Auf der anderen Seite bin ich aus persönlicher Erfahrung und aufgrund von Recherchen zutiefst davon überzeugt, dass weit über die Hälfte der angezeigten Vergewaltigungen nicht real ist. Es ist eine furchtbare Schere: Die Mehrheit der Vergewaltigungen wird nicht angezeigt - die Mehrheit der Anzeigen sind Falschbeschuldigungen.«

»Recht und Gerechtigkeit« hätte auch ohne den kachelmann'schen Zorn ein gesundes Misstrauen gegenüber den Medien und der Justiz aktualisiert. Das politische Kabarett rüttelte 2012 jedoch wach, dass Jörg Kachelmann und seine Frau Miriam selbst als Autoren auf dem Cover stehen. Es ist ein emotionales »Märchen aus der Provinz« von ihnen, statt eine distanzierte Reportage über sie. Nur Bettina Wulff ist mir »Jenseits des Protokolls« häufiger im satirischen Abendprogramm aufgefallen.

Die Systemkritiker der Nation wollen eben nicht in einen Topf geworfen werden mit fragwürdigen Journalisten und Paparazzos. Mag sein, dass Jörg Kachelmann von Teilen der Presse in den Skandal hineingeschrieben wurde. Aber es gibt auch die anderen Journalisten, die dann von ihren »Themen« überrascht wurden. Die »Sexsklavin Silvia K.« wurde in den 1980ern von Bild- und Stern-Reportern aus ihrer Tortur in einem Keller in Kamp-Lintfort befreit. Später ließ sie ihr Leben verfilmen - in Pornos und mit  sich selbst in der Hauptrolle.  

»Recht und Gerechtigkeit« ist eine so umfangreiche Dokumentation, dass auch sie als Vorlage für einen Spielfilm taugt. Sie enthält alles, was einen guten Krimi über ein schlechtes Thema ausmacht: Sex, Crime, Gute, die böse wirken, und Böse, die gut wirken. Vielleicht gibt es nach dem Buch einmal einen Film mit Jörg Kachelmann als Jörg Kachelmann. Ich glaube, dann hätte er wieder Augenhöhe mit den Medien hergestellt, die er im »Märchen aus der Provinz« verurteilt. Aber Augenhöhe kann eben auch bedeuten, dass jemand unter seinem tatsächlichen Niveau bleibt.


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